Das Röstlabor
Zürich, Kreis 6. Von hier stammen Weily und Ueli – zwei der prägenden Menschen hinter dem Röstlabor, einer Zürcher Rösterei mit Sitz in Schlieren.
Gegründet wurde das Röstlabor im Jahr 2014 jedoch von Weily und Yves, zwei Kletterfreunden und Kaffeeliebhabern. Doch die Geschichte des Röstlabors beginnt nicht in Zürich, sondern viel weiter weg.
Kiwis & Kängarus
Ihre Kaffeegeschichte nahm 2008 ihren Anfang – auf einem anderen Kontinent. Weily und seine Frau zog es für ein Jahr nach Neuseeland und Australien. Viel klettern, reisen, draussen sein – das war der Plan.
In Ozeanien ist Kaffeekultur seit Langem Teil des Alltags. Fast überall wird die Milch zu perfekter Latte Art geschäumt und der Espresso sorgfältig extrahiert. Der Barista lebt sein Metier. In der Schweiz war der Begriff «Barista» damals noch eher exotisch.
Ex-Industriekletterer
Zurück in der Schweiz suchte Weily nach einem Kaffee, der ihm schmeckt – und fand ihn nicht. Also beschloss er, ihn selbst herzustellen.
Er wollte nicht alleine eine Firma gründen. Yves trank einfach sehr gerne Kaffee. Ein Jahr lang wurde experimentiert, geröstet, verworfen, bis im Jahr 2014 schliesslich der grosse Schritt folgte: Firmengründung.
Währenddessen arbeitete Weily noch als Industriekletterer und hing hoch an den Fassaden Zürichs. Irgendwann wurde das Röstlabor grösser, und er hörte auf zu klettern, um sich ganz dem Kaffee zu widmen.
Winter in Ecuador
Seit rund sechs Jahren ist auch Ueli Teil des Röstlabors. Er kümmert sich mit viel Herzblut um die Canephora- (Robusta-) Bohnen. Die Wintermonate verbringt er in Ecuador, dem Geburtsland seiner Frau. Dort pflegt er den direkten Kontakt zu den Kaffeebauern.
Und dann ist da noch Charlie, der Buchhalter. Still im Hintergrund, aber fürs Röstlabor unverzichtbar!
Mehr als nur Kaffee
Worauf sie im Röstlabor besonders viel Wert legen? Faire Bedingungen und direkte Zusammenarbeit. In Ecuador arbeiten sie mit einer Finca direkt zusammen.
Auch ökologisch gehen sie ihren Weg: Um den ökologischen Fussabtritt möglichst klein zu halten, wird im Röstlabor seit dem Jahr 2025 auf einem Giesen W15 Elektro geröstet. Das ist der erste 15 Kg Elektro-Kaffeeröster in der Schweiz und wird mit 100% erneuerbarer Energie betrieben. Pionierarbeit, die ihnen wichtig ist.
Und trotz Wachstum: Work-Life-Balance bleibt wichtig. Ueli ist jeden Winter drei Monate in Ecuador, Weily ist übers Jahr immer wieder unterwegs. Mehr machen könnten sie, wollen sie aber nicht.
Bauchgefühl als Philosophie
Passion wird beim Röstlabor grossgeschrieben. Geröstet wird nur, was sie selbst gerne trinken. Kein Filterkaffee. Keine ultrasauren Arabica-Kaffees.
Früher wurden sie dafür in der Szene belächelt, heute ist Robusta zurück. Mehr noch: Es ist ein Hype. Ein Kampf um die besten Spezialitäten-Robusta-Bohnen ist entbrannt.
Sich treu bleiben
Ueli und Weily haben unzählige Röstkurse, Baristakurse, internationalen Webinars und Cuppings besucht. Sie haben die Weltelite des Kaffees kennengelernt und doch sagen sie: Je mehr Kurse man macht, desto voreingenommener wird man. Irgendwann glaubt man, ein Kaffee sei nur noch gut, wenn er ganz bestimmte Parameter erfüllt.
Dabei ist das Wichtigste das Bauchgefühl. Was man selbst gerne trinkt. Und sich genau dem treu zu bleiben.
"Mission KaffeeWerkStadt"
Wir gehen rund acht Jahre zurück. Weily ging immer wieder bei der KaffeeWerkStadt vorbei. Zwei Jahre lang. Im Röstlabor lief noch nicht so viel, Zeit war also da. Also «nervte» er Flo und sein Team – hartnäckig, freundlich, konsequent. Bis Flo eines Tages beschloss, seinen Kaffee zu bestellen. Wohl auch, um endlich Ruhe von Weily zu haben 😉
Heute verbindet sie eine langjährige und erfolgreiche Kooperation. Die Röstlabor-Kaffees (Röstlabor N.04, Röstlabor N.06, Röstlabor N.08 und Corado) sind so beliebt, dass Weily trotzdem jede Woche persönlich vorbeigeht, um Kaffee zu liefern.
Ein Blick in die Zukunft
Bio und Fairtrade – das wäre das Ziel. Damit die Bauern gut verdienen und der Endkonsument bewusst konsumiert.
Stillstand gibt es nicht. Sie machen kein Decaf, aber Low-Caf (koffeinarme Kaffees) ist ein Thema. Die Hauptaufgabe des Röstens sehen sie im Sourcing. Immer auf der Suche, nie derselbe Kaffee wie die Grossen. Eigenbrötlerisch und immer ein bisschen besser als die anderen.
Behind the beans
Ein herzliches Dankeschön an euch, Weily und Ueli, für das sympathische Gespräch und die Gastfreundschaft!
Und für dich, liebe Leser:in: Die Kaffees aus dem Röstlabor findest du bei uns im Laden oder in unserem Onlineshop.
Zum Schluss nehme ich dich mit hinter die Kulissen der Rösterei – Viel Spass beim Reinschauen!